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Route - Von Oberammergau zum Pürschlingshaus Der Weg über den Sonnenberggrat ist beeindruckend. Er führt durch eine kleinteilige, bizarre Gebirgslandschaft, geformt aus Nagelfluh mit Türmchen, Erkern und Balkonen, der künstlichen Schlössern des bizarren zwoten Ludwig gar nicht so unähnlich. Während mir dieser Ludwig nicht so nahe geht, diese Landschaft tut es. Vom Bahnhof zur Talstation der Kolbenbahn quert man leider nicht das alte Oberammergau. Der Zweier-Sessellift schaukelt uns Gehfaule erst ab 9 Uhr auf den Kolbensattel. Links an der Kolbensattelhütte vorbei geht es "Nur für Geübte" zum 'Zahn' und zum Gratweg. Uns hat ein einsetzender Nieselregen einmal nach rechts auf den Hauptwanderweg E4 / 04 getrieben. Noch so viele Eidechsen auf dem waldigen und durchaus freundlichen ersten Abschnitt dieser Notroute können die tödliche Eintönigkeit des Ziehweges E4 / 04 nicht ausgleichen. Zur Mittagsstunde standen wir schon vor der Hütte. Wie gesagt, eine Notroute. Zum Zahn hin gilt es 463 Höhenmeter zu überwinden. Keine kleine Anstrengung für die Jüngeren. Zum Glück führt dieser schweißtreibene Anstieg durch schattiges Terrain. Oben am Zahn beginnt der muntere Kammweg mit seinen vielfältigen Überraschungen, Kraxeleien und Ausblicken rechts und links des Kamms. Eine 'kritische' Passage gehört zu diesen Überraschungen. Auf wenigen Metern ist der kleine, eine Fuß breite Gebirgspfad stark ausgesetzt, links geht es den Fels hoch nach oben, rechts ebenso nach unten. Einer nach dem anderen quert die Stelle - bleibt gelassen , konzentriert sich auf den Weg , richtet den Blick auf das bißchen Weg und die Füße, meistert die Passage sicher, macht Platz für den Nächsten und bleibt ruhig, bis auch der letzte hinüber ist; das Gebot, ruhig zu bleiben, gilt insbesondere für die Kleineren. Bernd Rifflers Tourenbeschreibung hatte es mir angetan und mich angeregt, diese Tour zu planen. Dazu gehört, in weiteren Bergwanderbüchern zu recherchieren und Bekannte auszuquetschen, um sicherer zu werden, was die Machbarkeit der Tour anbelangt. Denn wie schreibt Riffler: "... und (wenn man) noch dazu eine Reepschnur dabei hat, kann man selbst mit Achtjährigen ... das Abenteuer wagen". Das Abenteuer reißt einen hin, das Risiko reißt einen her - sich für oder dagegen zu entscheiden, ist nicht nicht einfach. Erst an der Kolbensattelhütte fiel die endgültige Entscheidung, nachdem die Tochter Corinna und ich sich schon in die Richtung 'Nur für Ungeübte' in Bewegung gesetzt hatten. Eine größere Handvoll Acht- bis Zehnjähriger zog mit einem Bergführer mit alpinem Hut in Richtung Zahn. "Das versuchen wir auch!" Wo nichts riskiert wird, ist auch kein Abenteuer. Und umzukehren ist ja keine Schande. Also auf zum Zahn! Vom Zahn aus folgt man brav der Fährte aus roten Punkten, und dieses möglichst lange, denn sonst muß man und Kind sich mit dem staubigen und heißen Europawanderweg E4 abquälen. Die letzten Meter bleibt dieser Weg dem Wanderer allerdings nicht erspart. Aufgepaßt, den kopflose Christus dort übersieht man leicht, wenn man gesengten Blickes so vor sich trottet.
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© 1999 by Bernd Ragutt All rights reserved |
letzte Änderung: Donnerstag, 26. August 1999 Kruschtkiste |