Pürschlingshaus

In bester Erinnerung ist mir der große, lichtdurchflutete Gastraum mit dem Panorama-Ausblick; kein Mäkeln auch an der Nachtstatt. Daß jedoch Radaubrüder (und -schwestern) des nachts ein Heidenspektakel inszenieren und inszenieren können, haben wir so auf keiner Hütte erlebt.

Abends saß die ganz und gar nicht mehr jugendliche Bande (Alter um 25) noch ganz friedlich umeinander. Erst als die übrigen, wenigen Gäste in der Falle waren, hob das Spektakel an. Die Bitte um Ruhe, um 1 Uhr ausgesprochen, fruchtete nicht im Geringsten. Die aufgerissenen Augen des weiblichen Wesens, das im Nachtgewand durch den halberleuchteten Flur wetzte, sprachen Bände: nicht ansprechbar. Um 2 Uhr kehrte dann Ruhe ein.

Und am nächsten Morgen hat unsereins sich noch nicht einmal beim Hüttenwirt beschwert. Der hatte ja auch am Telefon bei der Voranmeldung angemerkt, es könne lauter werden. Wer ahnt da Böses?

Uns ist so ein Krach zweimal untergekommen. Bergwanderer erzählten, dass die Hütte bekannt sei für solch mitternächtliches Remmidemmi. Was sagen eigentlich die Statuten des DAV dazu?

Die Hütte liegt an der verlängerten Promenade von Ober- und Unterammergau. Das Tagesgeschäft als Ausflugsgaststätte mit schöner Terrasse macht wohl den Umsatz aus.

Die private Nachbarhütte hat den reizvolleren, exponierten Standort auf des Berges Spitze. Man macht sich nach der Ankunft meist gleich zur Erkundung ihres Umfeldes auf. Ein bißchen Vorsicht ist dabei geboten. Und sonst? Ein Gatter war der Anziehungspunkt für die Kinder. Seltem gelingt es, den Nachwuchs an einer Hütte noch einmal zu einer Anstregung zu animieren. Und wenn dieses Wunder dann gelingt, kommt den Taten, zur Freude der Kinder, ein heraufziehendes Gewitter in die Quere. So haben wir den lieben, langen Nachmittag doch nicht den Gipfelstock des Teufelstättkopfes erstürmt, der von der Hütte nur gut 200 Höhenmeter und eine Stunde Fußweg entfernt.

 


© 1999 by Bernd Ragutt
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letzte Änderung: Donnerstag, 26. August 1999
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